HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie stecken niemanden an, auch nicht beim Sex.

Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember 2019 lanciert die Aids-Hilfe Schweiz eine Informationskampagne. HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie stecken niemanden an, auch nicht beim Sex. Respekt gebührt allen Menschen, welche ihren HIV-Status kennen und sich testen lassen. Im Thurgau ist dies anonym auf der kantonalen Teststelle der Perspektive Thurgau in Weinfelden möglich.

Die Kampagne soll die 2008 erstmals von der damaligen Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen publizierte wissenschaftliche Erkenntnis «HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie stecken niemanden an» bekannter machen. Denn das Wissen um diesen Fakt baut Ängste und Vorurteile gegenüber HIV-positiven Menschen ab.

«Vermittelt die Kampagne nicht eine falsche Sicherheit?» Safer Sex ist immer eine individuelle Entscheidung in einer konkreten Situation. Für gute Entscheidungen braucht es die relevanten Informationen. Angst dagegen ist ein schlechter Ratgeber. In der Schweiz hat der allergrösste Teil der HIV-positiven Menschen dank der HIV-Therapie keine nachweisbare Virenlast mehr. Sie stellen für niemanden irgendeine Gefahr dar. Ihnen gebührt vielmehr Respekt dafür, dass sie durch das regelmässige Einnehmen ihrer Medikamente auch andere schützen.

Regelmässige HIV-Tests helfen
Die meisten Neu-Ansteckungen werden durch vermeintlich HIV-negative Personen verursacht. Menschen also, welche ihren HIV-Status nicht kennen und sich nicht regelmässig entsprechend ihrem Risiko testen und beraten lassen. Nicht regelmässig zum Test zu gehen kann vielschichte Ursachen haben. In den Beratungen der Thurgauer Teststelle der Perspektive Thurgau zeigt sich, dass eine häufige Ursache die Angst vor einer Infektion ist. Diese Angst entsteht durch Unwissenheit über Übertragungswege. Durch die Beratung können diese Ängste genommen und durch gezielte Informationen individuelle Schutzstrategien aufgezeigt werden. 1988 waren viele Sachverhalte bezüglich HIV/Aids unklar, z.B. die Übertragungswege. Mehr als 30 Jahre später sind in den Beratungen ähnliche Unklarheiten da, obschon durch Wissenschaft und Forschung heute viele dieser Sachverhalte geklärt sind. Die Erkenntnisse, wie bspw. «HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie stecken niemanden an», kommen in der Gesellschaft jedoch nur langsam an.

Wie steht die Schweiz im Kampf gegen HIV im internationalen Vergleich da?
In der Schweiz leben rund 17’000 Menschen mit HIV. 2018 wurden in der Schweiz 425 neue HIV-Diagnosen gestellt – 5% weniger als im Vorjahr. Damit ist ein historisches Tief erreicht. Vermehrte Tests in besonders exponierten Personengruppen, eine immer früher einsetzende Behandlung und die Präexpositionsprophylaxe scheinen eine Trendwende ausgelöst zu haben. Vergleichbare Erfolge verzeichnen auch andere Länder Westeuropas und Nordamerikas. Während weltweit die Zahl der Neuinfektionen sinkt, steigt sie in Osteuropa und Zentralasien allerdings an.

Weitere Informationen zur Thurgauer Teststelle