«Schon im Kindergarten wusste ich, dass meine Eltern anders waren. Zuhause lagen oft überall Bierflaschen, aufgeräumt hat meine ältere Schwester. Ich wusste, dass die blauen Flecken in Mamis Gesicht nicht von einem Fahrradunfall waren. Genauso wenig wie meine eigenen von einem Treppensturz stammten.»

Was Daniela (Name geändert) erzählt, ist erschreckend, jedoch kein Einzelfall. In zwei von drei Fällen, in denen es zur Paargewalt kommt, leben auch Kinder im Haushalt. Dabei ist fast die Hälfte der Kinder (48 %) neben der häuslichen Gewalt auch mit einem problematischen Alkoholkonsum der Eltern konfrontiert.

Bislang liegen jedoch nur wenige Studien über die Auswirkungen dieser beiden familiären Probleme auf Kinder und Jugendliche vor. In der ENCARE Studie «Häusliche Gewalt und Misshandlungen bei Jugendlichen aus alkoholbelasteten Familien» zeigte sich, dass betroffene Kinder und Jugendliche:

  • einem viel höheren Risiko für körperliche, emotionale und verbale Gewalt durch ihre Eltern ausgesetzt sind
  • oft in Angst und sozial isoliert leben
  • sich schuldig und verantwortlich fühlen
  • emotionale und Verhaltensprobleme haben
  • gezwungen sind für ihr Alter unangemessene Rollen zu übernehmen

Es wurde auch sehr deutlich, dass sich die Auswirkungen bei einem Kind, dass mit beiden Problemen lebt, verstärken. Häufig hätten sich Betroffene bessere Unterstützungsangebote gewünscht. Daher wäre es wichtig, dass diese Kinder so früh wie möglich identifiziert werden und Zugang zu Angeboten bekommen. Fachpersonen können die betroffenen Kinder auch unterstützen, indem sie klar zeigen, dass sie den Kindesschutz höher gewichten als die Interessen der Eltern. Zusätzlich ist die Koordination aller involvierter Institutionen wichtig. Ausserdem sollten gewaltausübende Elternteile konsequent in die Verantwortung genommen werden. Weiter ist die Prävention und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit ein zentraler Aspekt.

Von Nadine Sutter, Fachstelle für häusliche Gewalt, Kantonspolizei Thurgau

Dieser Beitrag wurde im Zusammenhang mit der Aktionswoche für Kinder von suchtkranken Eltern erstellt.

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Wichtige Adressen und Links

147

Notrufnummer Pro Juventute für Kinder und Jugendliche


052 723 48 23

Fachstelle Opferhilfe Thurgau


071 626 02 02

Suchtberatung Perspektive Thurgau


www.mamatrinkt.ch / www.papatrinkt.ch

Eine Webseite von Sucht Schweiz für Kinder und Jugendliche.