Eine Familie kann sich nicht scheiden lassen. Wie Alleinerziehende gute Eltern bleiben

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Eine Familie kann sich nicht scheiden lassen. Wie Alleinerziehende gute Eltern bleiben

aus Forum Kirche, Ausgabe Nr. 3

Paare, die sich trennen, sind häufig auch Eltern. Und diese wollen für ihre Kinder nur das Beste. Die Veränderungen, die mit einer Trennung einhergehen, sind jedoch für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung. Wie die Eltern verantwortungsvoll mit der neuen Situation kurz- und längerfristig umgehen und wie die Kinder auf diesem Weg begleitet werden können, wird im März an zwei Kursabenden in Weinfelden vermittelt.

Neue Lebenssituation, finanzielle Unsicherheit, Veränderung im sozialen Umfeld – dies sind nur einige Faktoren, die die Trennung eines Paares mit sich bringt. Eine weitere Herausforderung stellt sich zusätzlich, wenn Kinder mitbetroffen sind. Seit Juli 2014 haben Eltern das gemeinsame Sorgerecht. «Das neue Gesetz bildet die Wirklichkeit ab», sagt die Paar-, Familien- und Jugendberaterin Roswitha Keller-Hilzinger, die bei Perspektive Thurgau in Romanshorn arbeitet. Doch was tun, wenn die Eltern nicht miteinander reden können oder wollen? «Hier empfiehlt es sich, professionelle Hilfe von aussen zu holen», sagt die Sozialarbeiterin und Mediatorin. «In unseren Beratungen bieten wir Unterstützung, damit sich nach der Scheidung jeder Elternteil als Alleinerziehender zurechtfindet», sagt Keller-Hilzinger.

Neue Lebensform

Ein Blick auf die Scheidungsquote macht es deutlich: 2013 wurden im Thurgau 40 von 100 Ehen geschieden. Schweizweit waren es gar 42 von 100 Paaren. Die durchschnittliche Ehedauer beträgt 15 Jahre. Zahlen von Paaren, die ohne Trauschein miteinander lebten und sich trennen, tauchen in dieser Statistik nicht auf. Ebenso wenig die Anzahl Kinder, die von der Trennung der Eltern betroffen sind. «Was früher lebensprägend war, ist heute auflösbar», sagt Roswitha Keller-Hilzinger. Klar ist hingegen, dass diese neue Lebensform der Alleinerziehung weit weniger ausgegrenzt wird wie noch vor ein paar Jahrzehnten. Väter übernehmen vermehrt Verantwortung und sind im Kontakt zu ihren Kindern. Mittlerweile gibt es spezielle Angebote nur für alleinerziehende Mütter und Väter, wie z. B. Freizeit- oder Ferienangebote.

Hilfe holen

Wo liegen denn die grössten Hürden, wenn ein Elternpaar sich trennt? «Die erste Zeit nach der Trennung ist eine Akutphase und fordert von allen viel Anpassungsfähigkeit», sagt Keller-Hilzinger. Und es brauche Zeit, unterschiedlich lang, bis sich diese Phase stabilisiert habe, ähnlich einem Trauerprozess. Alles muss neu organisiert werden, auf sozialer, finanzieller und beruflicher Ebene. Es gilt, neue Werte und neue Inhalte zu definieren. Gleichzeitig brauchen die Kinder viel Aufmerksamkeit und Zuwendung der Eltern. Das Elternpaar muss sich – in Bezug auf die Kinder – neu finden und sich auf gute und konstruktive Art mit ihren teils unterschiedlichen Erziehungsstilen auseinandersetzen. Denn, so Keller-Hilzinger: «Eine Familie kann sich nicht scheiden lassen.» All dies unter einen Hut zu bringen ist eine riesige Herausforderung. Dabei ist es wichtig, dass die Kinder sich nicht schuldig fühlen und beide Elternteile weiterhin gern haben dürfen. Merken ein Elternteil oder gar beide, dass sie den gestellten Herausforderungen nicht gewachsen sind, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen. Noch bevor es zu einer Lebenskrise kommt.

Erziehungsfragen nachgehen

Hilfe gibt es u. a. bei der Perspektive Thurgau. Dass sich der Kurs speziell an Allein – erziehende wendet, hat gemäss Roswitha Keller-Hilzinger folgenden Grund: «Im Gespräch mit Bruno Strassmann, der von der Fachstelle Kirchliche Erwachsenenbildung der katholischen Landeskirche her den Kurs mitgestaltet, kam mir und meiner Kollegin Angelika Mikuteit von der Perspektive Thurgau die Idee, Alleinerziehende und ihre Herausforderungen zu thematisieren.» Dieser Kurs soll den Austausch und die Vernetzung der Teilnehmenden fördern sowie Hilfestellungen geben im Umgang mit den Kindern und für sie als Eltern.

Claudia Koch

 

By | 2017-03-20T18:00:08+00:00 Donnerstag, 12. Februar 2015|